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Was genau bedeutet Barrierefreiheit?

Grafische Illustration zum Thema Barrierefreiheit mit violettem Hintergrund und Rasterstruktur. In der Mitte befindet sich eine schwarze Fläche mit der weißen Aufschrift „Barrierefrei?“. Rund um das zentrale Element sind mehrere kleine Kacheln mit Symbolen verteilt. Zwei der sichtbaren Icons zeigen typische Aspekte der Barrierefreiheit: ein Symbol für Sehbehinderung sowie ein Symbol für Kontrast beziehungsweise Wahrnehmbarkeit. Die Gestaltung erinnert an eine Design- oder Benutzeroberfläche und verdeutlicht, dass Barrierefreiheit aus verschiedenen Anforderungen besteht, die gemeinsam darüber entscheiden, ob digitale Inhalte für möglichst viele Menschen zugänglich sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Barrierefreiheit bedeutet, dass gestaltete Lebensbereiche für alle Menschen selbstständig auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.
  • Ziel ist die Nutzung ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe.
  • 7,9 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer schweren Behinderung.
  • Im digitalen Raum definieren die WCAG die maßgeblichen Anforderungen.
  • Barrierefreiheit ist keine nachträgliche Optimierung, sondern Teil der strategischen Konzeption.

Wie viele Menschen in Deutschland sind von Behinderung betroffen?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamt lebten in Deutschland zum Jahresende 2023 rund 7,9 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind das  also etwa 9,3 % aller Menschen. Was viele von uns vermutlich falsch einschätzen würden ist, dass knapp 91 % der schweren Behinderungen durch eine Krankheit verursacht worden und nur rund 3 % angeboren sind.1

Diese Zahlen zeigen ganz klar: Barrierefreiheit ist kein Randthema. Es kann jeden von uns betreffen und für Millionen von Menschen in Deutschland ist dieser Fall schon eingetreten.

Was ist mit Barrierefreiheit gemeint?

Barrierefreiheit bedeutet, dass Menschen Informationen und Angebote auch ohne fremde Hilfe nutzen können. Unabhängig davon, ob sie eine Sehbeeinträchtigung haben, schlecht hören, motorisch eingeschränkt sind oder Inhalte kognitiv anders verarbeiten. Wobei die Nutzung notwendiger Hilfsmittel zulässig ist. Barrierefreiheit sorgt dafür, dass digitale und auch analoge Angebote grundsätzlich zugänglich sind.

Im Gesetzestext spricht man hier von „allen gestalteten Lebensbereichen“ und dass diese „ in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind“.2

Spätestens mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz wird das Thema auch für viele Unternehmen relevant. Vor allem im digitalen Bereich.

Was zählt als barrierefrei?

Diese Frage kann man nur im Kontext der jeweiligen Anwendung beantworten. Wie oben bereits erwähnt, spricht das Gesetzt „von allen gestalteten Lebensbereichen“. Möchte man ein barrierefreies PDF (PDF/UA) online zur Verfügung stellen, gelten andere Vorraussetzungen als bei der Umsetzung einer barrierefreien Website.

Gemeint sind alle Bereiche, die durch Menschen geplant, entwickelt oder organisiert werden. Dazu gehören bauliche Anlagen, Verkehrsmittel, Informationsangebote, Websites, Apps, Dokumente oder digitale Dienstleistungen.

Barrierefreiheit ist also kein rein technisches Thema und kein ausschließlich digitales. Sie betrifft alle bewusst gestalteten Umgebungen. Entscheidend ist immer die Frage: Können Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen dieses Angebot selbstständig, ohne besonderes Erschwernis und ohne fremde Hilfe nutzen?

Barrierefreiheit ist kein Korrekturschritt am Ende eines Projekts. Sie beginnt in der strategischen Konzeption und zieht sich durch jede gestalterische und technische Entscheidung.

Die 4 Prinzipien der Barrierefreiheit

Die internationalen Richtlinien für digitale Barrierefreiheit basieren auf vier Grundprinzipien. Sie bilden das Fundament der sogenannten Web Content Accessibility Guidelines (WCAG).3

Grafische Darstellung der vier Prinzipien der Barrierefreiheit. In der Mitte befindet sich ein blaues quadratisches Feld mit einem weißen Symbol für Barrierefreiheit. Von diesem Zentrum führen gestrichelte Linien zu vier Feldern, die um das Symbol herum angeordnet sind. Die Felder sind beschriftet mit den Begriffen „Wahrnehmbar“, „Bedienbar“, „Verständlich“ und „Robust“. Die gestrichelten Linien verbinden alle Elemente miteinander und zeigen, dass diese vier Prinzipien zusammengehören und aufeinander aufbauen. Die Grafik verdeutlicht, dass diese vier Prinzipien die Grundlage der digitalen Barrierefreiheit bilden und gemeinsam das Modell hinter den internationalen Richtlinien für barrierefreie Inhalte darstellen.

Wahrnehmbar: Inhalte müssen so gestaltet sein, dass sie von unterschiedlichen Menschen wahrgenommen werden können. Zum Beispiel durch ausreichende Kontraste oder Alternativtexte für Bilder.

Bedienbar: Alle Funktionen müssen nutzbar sein. Auch ohne Maus. Auch ohne komplexe Bewegungen.

Verständlich: Struktur, Sprache und Interaktion müssen nachvollziehbar sein. Formulare dürfen keine unklaren Fehlermeldungen produzieren. Navigation darf nicht verwirren.

Robust: Inhalte müssen technisch so umgesetzt sein, dass sie mit unterschiedlichen Geräten und Assistenztechnologien funktionieren.

Was sich hinter diesen vier Prinzipien konkret verbirgt und wie sie in der Praxis angewendet werden, erklären wir in unserem Artikel „Die 4 Prinzipien der Barrierefreiheit“.

Quellen:

1 Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 281 vom 19. Juli 2024

URL: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/07/PD24_281_227.html

2 Bundesministerium der Justiz, Behindertengleichstellungsgesetz (BGG), § 4 Barrierefreiheit

URL: https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/__4.html

3 World Wide Web Consortium (W3C), Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2

URL: https://www.w3.org/TR/WCAG22/

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